Gestern vor 25 Jahren am 17./18.01.1984 sind wir, meine Eltern, mein Bruder und ich von der ehemaligen DDR in die BRD gezogen. Jedes Jahr erinnern wir uns gern an diese Zeit und wir gehen nochmals die letzten Wochen, Tage und Stunden vor und nach dem Umzug in Gedanken durch. Es gab Höhen und Tiefen, aber keiner von uns hat diese Entscheidung je bereut. Sicher war es schwer, vor allem für meine Eltern, alles zurück zu lassen und in das Ungewisse zu gehen. Sie haben Haus und Arbeitsplätze aufgegeben, auch um uns Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Die erste Woche waren wir in Gießen im Übergangslager, noch bevor die große Ausreisewelle kam. Für mich war es eine schöne Zeit. Dann sind wir nach Augsburg in das Übergangswohnheim gezogen. Die Zeit habe ich weniger gut in Erinnerung, lag wohl daran, dass ich dort in eine neue Schule ging und es mir da nicht so gut gefiel. An unsere Möbel und Sachen konnten wir nur von Zeit zur Zeit ran, da diese immer noch im Container waren. Zu viert bewohnten wir zwei Zimmer. Es war ein eiskalter Winter und wir hatten Kohlefeuerung, Toiletten waren auf dem Gang und keine Heizung. Ständige Behördengänge usw. Also kein Wunder, dass es mir dort nicht gefallen hat. Im März sind wir dann nach München gezogen und wohnen seit dem hier.
Die ersten Jahre war es für mich immer noch schwer zu begreifen, dass wir wirklich in einem anderen Land sind. Inzwischen habe ich es verarbeitet, ist ja auch eine lange Zeit, aber es ist schon wahnsinn, dass es inzwischen 25 Jahre sind. Und ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie diese Strapazen auf sich genommen haben. Die Zeit vor der Ausreise war ja auch nicht einfach, wir schön unter Bewachung standen und abgehört wurden. Ständige Gespräche mit Polizei, Ministerien und Arbeitgeber. Und immer im Kopf, nur nichts falsches sagen und nicht die Ausreise gefährden. Selbst wir Kinder, ich war damals 12, mein Bruder 17 Jahre alt, wurden einzeln befragt, ob wir mit Ausreisen wollen. Wir habens gut überstanden.
Heute Abend werden wir mit meinen Eltern mit einem Glas Sekt anstoßen.